Abgeordneter meldet 3.700 Festnahmen bei Protesten

Dienstag, 09.01.2018 - Zeit Online- Nach den regierungskritischen Protesten im Iran sollen deutlich mehr Demonstranten in Haft sein als bisher angenommen. Von etwa 3.700 Festnahmen berichtet die Nachrichtenagentur des iranischen Parlaments icana.ir unter Berufung auf den reformorientierten Abgeordneten Mahmud Sadeghi. Bisher war von 1.000 bis 1.800 Verhaftungen die Rede gewesen. 

 

Sadeghi spricht im Interview von einer Liste, die dem Geheimdienst und Innenministerium vorgelegt worden sei und aus der deutlich mehr Verhaftungen hervorgehen. Eine genaue Zahl könne aber nicht ermittelt werden, weil verschiedene Sicherheitskräfte und Mitarbeiter des Geheimdienstes an den Festnahmen beteiligt gewesen seien, so Sadeghi. Er forderte die Geheimdienste auf, die Familien der Verhafteten zu informieren.

Im Iran hatten in der vergangenen Woche landesweite Proteste begonnen, die sich zunächst gegen wirtschaftliche Missstände und schließlich gegen die iranische Führung richteten. 21 Menschen kamen ums Leben, unter ihnen 16 Demonstranten. Viele wurden festgenommen. Auf Verlangen der Reformfraktion im iranischen Parlament soll eine Sonderkommission das Schicksal der Demonstranten aufklären, die bei den jüngsten Protesten inhaftiert wurden. Insbesondere solle es dabei um die festgenommenen Studenten gehen, sagte ein Sprecher der Teheraner Universität laut der Nachrichtenagentur Isna.

Ernsthafte Sorgen um die inhaftierten Demonstranten kamen auf, als beim Freitagsgebet vergangener Woche in Teheran der Hardliner Ahmad Chatami sowie Regimeanhänger Höchststrafen gegen einige von ihnen gefordert hatten. Nach Behördenangaben sind mehr als 200 verhaftete Demonstranten, hauptsächlich Studenten, bereits wieder freigelassen worden. Weitere sollen folgen. Den Anführern der Proteste, insbesondere Mitgliedern der Oppositionsgruppe Volksmudschahedin, drohe allerdings die Todesstrafe wegen "Verschwörung gegen die Führung des Landes".