Uran-Anreicherung
geht weiter
Iran verweigert Atom-Infos
Montag, 26. Mai 2008
Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA
kritisiert mangelnde Informationen des Irans
über sein früheres Atomprogramm. Teheran müsse
der UN-Behörde noch einige "substanzielle
Erläuterungen" zu möglichen Atomwaffenstudien
geben, heißt es in einem Bericht, den IAEA-Chef
Mohammed el Baradei dem UN-Sicherheitsrat in New
York übermittelt hat. Die noch ungeklärte
Umwandlung von Uran, die Tests von
hochexplosivem Sprengstoff sowie
Entwicklungsstudien eines besonderen
Raketensprengkopfs seien Anlass für große
Besorgnis, heißt es in dem Report.
Dem Bericht zufolge, der der Deutschen
Presse-Agentur dpa vorlag, besteht der Iran
darauf, dass die gegen ihn gerichteten Vorwürfe
haltlos und "erfunden" sind. In dem Report
stellt El Baradei fest, dass der Iran auch in
den vergangenen drei Monaten die Forderungen des
UN-Sicherheitsrats ignoriert hat und die
umstrittene Urananreicherung fortsetzt.
Gegenwärtig hat Teheran in seiner Atomanlage bei
Natans 3500 Gaszentrifugen installiert. Bis zum
Ende des Sommers sollen es 6000 werden, sagten
führende UN-Diplomaten am Montagabend in Wien.
In dem mehrseitigen Bericht heißt es: "Es sind
substanzielle Erläuterungen des Irans nötig, um
dessen bisherige Erklärungen im Zusammenhang mit
den angeblichen Studien zu seinem Atomprogramm
und anderen Entwicklungen mit militärischem
Charakter zu begründen." So müsse Teheran vor
allem ein Dokument erläutern, in dem die
Produktion von Uranmetall-Kugeln beschrieben
wird, die ausschließlich für den Bau von
Atomwaffen verwendet werden können.
Teheran hatte in den vergangenen Jahren stets
behauptet, sein Atomprogramm verfolge rein
friedliche Absichten. Anfang des Jahres hatten
IAEA-Experten jedoch (vor allem aus den USA)
geheimes Material erhalten, das den Verdacht auf
eine militärische Dimension erhärtete.
Diplomaten in Wien betonten, Teheran sei in der
Lage, die fragwürdigen Teile seines
Atomprogramms zu erläutern. Allerdings "haben
wir noch keine substanzielle Antworten
erhalten", hieß es in Wien. Es sei jetzt Aufgabe
des IAEA-Gouverneursrats, der am 2. Juni in Wien
tagt, die nächsten Schritte einzuleiten. Teheran
hat in den vergangenen Monaten erklärt, das von
der IAEA präsentierte Material entbehre jeder
realen Grundlage.
Ungeachtet einer dritten Sanktionen-Resolution
des UN- Sicherheitsrats und eines erneuten
Angebots Deutschlands sowie der fünf permanenten
Mitglieder des UN-Sicherheitsrats für eine
intensive wirtschaftliche und wissenschaftliche
Zusammenarbeit, hat es Teheran bisher abgelehnt,
die Urananreicherung einzustellen, die auch zum
Bau von Atomwaffen eingesetzt werden kann.
ntv